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FRESKEN + HOLZSCHNITTE

Haldi Kapelle mit Gitschen
Haldi Kapelle mit Gitschen


Mit Fresko-Putz-Malereien

Foto: Marie-Ann Arnold

Haldi-Kapelle, Schattdorf

Erna Schillig Klausen-Passhöhe
Erna Schillig Klausen-Passhöhe

Aus dem Blockbuch „Vom
Urnersee über den Klausenpass“

     Foto: Martin Arnold

Klausen-Passhöhe

Holzschnittdruck koloriert

Erna Schillig Kuon'sche Kapelle
Erna Schillig Kuon'sche Kapelle


Mit Engeln in Fresko-Putz-Technik

Foto: Martin Arnold

Kuon‘sche Kapelle

   beim Restaurant Höfli, Altdorf  

ERNA SCHILLIG GALT ALS SPEZIALISTIN IN DER TECHNIK DER FRESKENMALEREI

Vor allem in den 1930er Jahren entstehen ausdruckstarke Freskenmalereien. Erna Schillig versteht es vortrefflich, Bildvorlagen mit dieser Technik umzusetzen. Der eher schwerfällig anmutende Umgang mit Mörtel und Putz scheint sie nicht zu behindern. Das darzustellende Motiv steht für sie immer im Vordergrund. Ihre Arbeiten haben sich glücklicherweise als sehr dauerhaft erwiesen und haben auch nach fast 100 Jahren nichts von ihrer Ausstrahlung und Farbenpracht verloren. Ein eindrückliches Beispiel sind die beiden Malereien am Eingang der Haldi-Kapelle in Schattdorf.

In beachtlichen Mengen erstellt Erna Schillig auch Holzschnittdrucke, einige davon in Zusammenarbeit mit August Babberger
und seiner Frau Anna Maria Babberger-Tobler. Beim Jahreszeitenbuch ist Erna Schillig für das Kolorieren zuständig. Die von ihr verwendete Kartoffelstempeltechnik verleiht den mehrfach hergestellten Werken einen eigenen, unverwechselbaren Originalcharakter. Beispiele von Gemeinschaftswerken sind das grosse Jahreszeitenbuch und das Frühlingsbuch, die in den 1930er Jahren entstehen. Die aufwändig geschnitzten Holzdruckstöcke sind Beweise der handwerklichen Fähigkeiten von Erna Schillig.

Freskenmalerei

Die Fresken mit Bildern in Putzmalerei sind im Schaffen von Erna Schillig als eine Besonderheit einzustufen. Vor allem in den 1930er Jahren fertigte sie viele wunderbare Werke. Diese entstanden entweder in ihrem Atelier, wo sie in waagrechter Lage produziert wurden, oder vor Ort direkt am Objekt. In eine Grundform aus Holz wurde eine Schicht Mörtel gegossen oder aufgetragen und darüber eine Schicht Putz eingebracht. Durch Farbbeigaben wurde in diesem noch frischen Material die Oberflächenbearbeitung nach einer Vorlage vorgenommen. Die Werke zeichnen sich durch eine lange Lebensdauer aus.

Erna Schillig galt als Spezialistin in dieser Technik. Sie wurde bis ins hohe Alter bei Renovationen oder Instandstellungen als Fachperson beigezogen. So beanspruchte man ihr Fachwissen zum Beispiel um 1975 bei der Renovation des Christopherus-Bilds an der Ostfassade der Kath. Kirche in Bürglen Uri.

Haldi-Kapelle

Ende der 1920er Jahre verbrachte Pfarrer Gustav Truttmann, Waldbruder genannt, im Sommer einige Wochen in der Einsamkeit des Riedertals bei Bürglen Uri. Von hier stieg er oft auf die benachbarten Haldiberge und hörte den Wunsch der Bewohner nach einer Kapelle. Er entschloss sich, diese Idee zu verwirklichen. Es war ihm klar, dass es eine Muttergotteskapelle zu Ehren unserer Lieben Frau von Einsiedeln werden sollte. Die Kapelle wurde von 1928 bis 1932 errichtet.

Erna Schillig schuf 1932 in der Vorhalle zwei Fresken von 1,8 x 1,2 Metern. Sie stellen „Maria Verkündigung“ dar. Links sieht man hoch über dem Bälmeten vom Himmel her einen Engel zur Erde niederschweben, und rechts empfängt Maria inmitten von Alpenblumen die göttliche Botschaft.

Maria Verkündigung mit Inschrift 1932, Fresco Putz

Eingang Haldi-Kapelle

mit Fresken von Erna Schillig,

links der „Verkündigungsengel“ und

rechts „Maria empfängt Gottesgruss“,

1932.

Foto: Marie-Ann Arnold

Für diesen Auftrag war Erna Schillig in guter künstlerischer Gesellschaft. Im Innern der Kapelle arbeitete der berühmte Dekorationsmaler Eduard Gubler aus Zürich, der auch die Kirche im Riedertal künstlerisch ausschmückte. Er bemalte die Friese an der Decke mit über 40 verschiedenen Motiven. Der Altar, das Altarbild, die Statuen des hl. Josef, der hl. Anna, der hl. Theresia und des hl. Antonius sowie die vielen Engelköpfe wurden von der Firma Antonio Mutzner aus Ortisei im Grödnertal ausgeführt.

Im Turm hängen zwei Glocken, eine mit der Jahreszahl 1749 mit dem Bild der lieben Himmelsmutter, die der Waldbruder im ehemaligen Kloster Muri fand. Die zweite Glocke mit der Jahreszahl 1838 war einst in der Gemeinde Winznau bei Olten und zeigt ebenfalls das Bild der Mutter Gottes.

Das Schillig-Haus und das Geschlecht der Kuon

Erna Schillig beschreibt um 1970/80 auf über 150 Schreibmaschinenseiten, gesammelt in einem gelben Ringordner, die Geschichte ihres Elternhauses, das Geschlecht der Kuon und das nach denen benannte Kuon’sche Haus. Den Namen dieser Familie recherchierte sie, auch gestützt auf persönliche Angaben von Pfarrer Josef Müller (1870 – 1929), Seelsorger im Kantonsspital Uri und Dr. Eduard Wymann, Staatsarchivar in Altdorf (1870 – 1956), bis zurück ins 14. Jahrhundert.

Schillighaus Foto um 1958

Im Schillig-Haus, in den Kuon‘schen

Matten beim Restaurant Höfli in Altdorf,

dem Elternhaus von Erna Schillig,

befand sich im ersten Geschoss ihr Atelier.  

Foto: unbekannt, um 1958

Die Geschichte des Schillig-Hauses wird in den Unterlagen von Erna Schillig vor allem datumbezogen dokumentiert. Daraus geht hervor, dass das Heimwesen auf den Namen Johann Kuon, der in Altdorf und im Schächental wohnte, zurückzuführen ist. Er und seine Vorfahren waren in „Ury“ sehr bekannt und besassen viele Güter. So auch die Matten „bey der Muelle zu Utzigen Ury“ („später Höfli mihli“) in Altdorf. Dort wohnte ein Enkel von Johann Kuon, Heinrich Kuon. Seither wird diese Matte beim Höfli Kuon’sche Matte genannt. Das sogenannte Kuon’sche Heimwesen war bis 1818 im Besitz von Familie Kuon, dann von Josef Müller-Kuon, später von dessen Sohn Josef Müller-Müller und zuletzt von seinem Enkel Emanuel Schillig, dem Erbauer des Hotel Klausen-Passhöhe und Vater von Erna Schillig. Die Familie Schillig war im Besitz des Kuon’schen Heimwesen bis 1960. Bereits 1934 erwarb die damalige Schweiz. Draht- & Gummiwerke AG, Altdorf (heute Dätwyler AG) eine Parzelle Land der Liegenschaft Höfli mit zwei Häusern, einem Stall und einem Holz- und Kohlenschuppen.

Erna Schillig schreibt dazu in ihren Aufzeichnungen: Das Kuon’sche Heimwesen im Höfli an der Hellgasse in Altdorf wurde 1959/60 an die Dätwyler AG verkauft, welche das Anwesen bereits seit Jahren einzukreisen begann. Das Gebäude wurde 1965/66 bis auf die Kapelle abgerissen.

Die Kuon’sche Kapelle

Die auf dem Grundstück errichtete Kapelle wird 1798 erstmals schriftlich erwähnt. Sie war eine Stiftung der Kuon und bis 1860 freistehend. Josef Müller-Kuon errichtete für seinen Sohn Josef, der Künstler war, ein Ökonomiegebäude mit einer Lithographie-Werkstatt und einer Verbindungsbrücke zum Vaterhaus und integrierte die Kapelle in das Gebäude.

Im Jahre 1964 erteilte die Baukommission der Gemeinde Altdorf der Dätwyler AG die Baubewilligung für den Bau einer Grossanlage zur Draht- und Kabelproduktion. Die Bewilligung für den Bau der neuen Fabrik war an verschiedene Bedingungen und Auflagen gebunden. Die zwei ersten von insgesamt 9 Punkten betrafen das Schillig-Haus und die Privat-Kapelle:
1. Das ehemalige Schillig-Haus mit Ökonomiegebäude muss spätestens bei Baubeginn abgebrochen sein.
2. Was mit der im Ökonomiegebäude eingebauten Privat-Kapelle zu geschehen hat, ist mit der 

kantonalen Heimatschutzkommission rechtzeitig abzuklären. Die Baukommission ist hierüber zu verständigen.

Glücklicherweise blieb die Kuon‘sche Kapelle, dank der Intervention von Selina Dätwyler-Gamma, der Frau von Direktor Adolf Dätwyler, erhalten.
Bereits 1932 hatte Erna Schillig zusammen mit August Babberger, dessen Meisterschülerin sie zu diesem Zeitpunkt war, die Kapelle mit Fresko-Gemälden ausgemalt. Auf der linken Seite sind sechs singende Engel von Erna Schillig. Von August Babberger stammen der singende Engel auf der Gegenseite und die zwei Engel und Maria mit Jesuskind an der Altarwand.

 Sechs singende Engel

auf der linken Seite in der

Kuon’schen Kapelle,

erstellt 1932 von Erna Schillig

als Fresko-Putz-Malerei mit

eingesetzten Glasmosaiksteinen.

Foto: Martin Arnold

Höflikappelle-6 Engel
August Babberger Bilder Altar

Zwei Engel und Maria mit Jesuskind

an der Altarwand in der  

Kuon’schen Kapelle,

erstellt 1932 von August Babberger

als Fresko-Putz-Malerei mit

eingesetzten Glasmosaiksteinen.

Foto: Martin Arnold

Maria und Jesuskind,

in Fresko-Technik,

123 x 83 cm,

mit Abbreviatur des Schärhorns,

Privatbesitz.

                      Foto: Martin Arnold

Erna Schillig Liebe Frau (Maria) mit Jesuskind)

Weitere Fresken können in der Werkschau

eingesehen werden.

Holzschnitte

Im Rahmen der vielseitigen Tätigkeit von Erna Schillig wurden auch mehrere Gemeinschaftswerke in Holzschnitttechnik geschaffen. Durch aufwändige Vorbereitungsarbeiten entstanden zuerst die Holzdruckstöcke, in denen in einem für die Bearbeitung geeigneten Holzstück die Bildform seitenverkehrt eingestochen oder geschnitten wurde. Ebenfalls in Handarbeit fertigte man die Schwarzdrucke, und anschliessend wurde jede Seite im Kartoffelstempelverfahren bedruckt. Dadurch erhielt jedes Exemplar einen unverwechselbaren Originalcharakter. So haben zum Beispiel die 42 Seiten des Jahreszeitenbuchs mit einer Buchdimension von 72 x 53 cm unterschiedliche Farbgebungen. Von diesem farbenprächtigen Blockbuch wurden 50 nummerierte Exemplare erstellt.

Verschiedene Arbeiten können in der Werkschau unter Holzschnitte eingesehen werden.

Babberger, Tobler, Schillig_Jahreszeitenbuch, Signet Sommer

Sommer aus dem

Jahreszeitenbuch in

Holzschnitttechnik, erstellt 1935.

August Babberger (Holzschnitte),

Anna Maria Babberger-Tobler (Texte),

koloriert durch Erna Schillig,

Privatbesitz.

Foto: Martin Arnold

Vom Urnersee über .......

12-teiliges Blockbuch

„Vom Urnersee

über den Klausenpass“,

Holzschnitte und Kolorierung

mit Kartoffelstempeln von

Erna Schillig,

Texte August Babberger, 1932,

Privatbesitz.

Foto: Martin Arnold

Holzdruckstock vom Titelbild

des Blockbuches,

Staatsarchiv Uri (ohne Inv. Nr.).

Foto: Martin Arnold

Über den Klauasenpass

In beachtlichen Mengen erstellt Erna Schillig auch Holzschnittdrucke, einige davon in Zusammenarbeit mit August Babberger
und seiner Frau Anna Maria Babberger-Tobler. Beim Jahreszeitenbuch ist Erna Schillig für das Kolorieren zuständig. Die von ihr verwendete Kartoffelstempeltechnik verleiht den mehrfach hergestellten Werken einen eigenen, unverwechselbaren Originalcharakter. Ein weiteres Beispiel eines Gemeinschaftswerkes ist das Frühlingsbuch, welches ebenfalls in den 1930er Jahren entstand.

Die aufwändig geschnitzten Holzdruckstöcke sind Beweise der handwerklichen Fähigkeiten von Erna Schillig.

Ernma Schillig Brauchtumserie

Festserie

in Holzschnitttechnik,

1934,

6-teilig:

Sängerfest,

Trachtenfest,

Musikfest,

Turnfest,

Schwing- und Älplerfest,

Schützenfest,

1934,

Privatbesitz.

Foto: Martin Arnold

Die 6-teilige Serie kann unter Holzschnitte in der Werkschau eingesehen werden.

Quellen
Martin Arnold: Erinnerungen an das Hotel Klausen-Passhöhe, 2021; Erna Schillig: Aufzeichnungen, Das Geschlecht „KUON“ (gelber Ordner), entstanden um 1970/80, Privatbesitz.

Signatur Erna Schillig
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